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Yoga gegen Corona

Der britische Iyengar Yoga Verband hat ein Übungsprogramm zusammengestellt, das die Genesung nach einer Erkrankung an COVID-19 unterstützen kann. Anfang November 2020 habe ich mich selbst mit Corona infiziert. Am dritten Tag nach Ausbruch der Krankheit waren die Symptome so, dass ich eine regenerative und angepasste Yoga-Praxis aufnehmen konnte. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen mit dem vorgeschlagenen Yoga-Therapieprogramm der Iyengars.


Von Claudia Lamas Cornejo



Shavasana - mit unterstütztem Brustkorb und Hinterkopf. Fotos: Claudiyengar 2020.

Lange vor dem Ausbruch des Coronavirus setzte sich auch hierzulande die Erkenntnis durch, dass das regelmäßige Üben von Yoga positiv auf unsere Gesundheit einwirkt. So haben gerade in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen von Unikliniken und Forschungseinrichtungen gezeigt, dass Yoga beispielsweise bei Durchblutungs- oder Schlafstörungen hilft und Stress, Depressionen und Angstzustände vermindern kann, sowie chronische Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen lindert.

Kurz: Yoga ist gesund für den Körper und die Psyche gleichermaßen und das nachweislich. Weil das regelmäßige Praktizieren von Yoga und insbesondere von Hatha- und Iyengar Yoga stressbedingten Krankheiten vorbeugen kann, gehört diese Yoga-Form auch zum Präventionsangebot der deutschen Krankenkassen.


Als sich im Frühjahr 2020 das Corona-Virus zu einer weltweiten Pandemie ausbreitete, verwiesen Vertreterinnen und Vertreter des Iyengar Yoga auf eine Sequenz von Yoga-Haltungen – Asanas – zur Stärkung des Immunsystems. Diese Sequenz wurde über viele Jahrzehnte von BKS Iyengar und seiner Tochter Geeta S. Iyengar in den therapeutischen Yoga-Klassen am Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institut (RIMYI) in Pune, Indien zusammengestellt, erprobt und beständig weiterentwickelt.


„Überall dort, wo Raum und Stille geschaffen werden, fließt Prana, der Lebensatem.“ BKS IYENGAR


Wo hingegen der Atem nicht mehr ungestört fließen kann, kommt es zu Problemen. Viele Menschen nehmen ihren Atem jedoch erst dann wahr, wenn er gestört ist. Dies kann beispielsweise durch Emotionen oder Krankheit, Angst oder harte Arbeit geschehen. Selbst bei einem kurzen, schnellen Spurt zur Bushaltestelle merken wir, dass der Atem durch alles, was wir tun, beeinflusst und verändert wird.


Das sogenannte "COVID19-Recovery" Yoga-Übungsprogramm des britischen Iyengar Yoga Therapiekomitees basiert auf der ursprünglichen Immunsequenz und entstand unter Mithilfe zahlreicher erfahrener Iyengar Yoga-Lehrerinnen und -Lehrer aus der ganzen Welt. Auch Yoga-Praktizierende und -Lehrende, die das Virus selbst erlebt haben, waren an der Erarbeitung beteiligt. Ziel des Programms, die Genesung nach einer Covid19-Erkrankung zu unterstützen. Dabei wurde auch der Umstand beachtet, dass nicht alle Übenden bei sich zu Hause die Yoga-Hilfsmittel zur Verfügung haben, die in einer Yoga- Therapie-Klasse vorhanden sind. Die Verwendung von Möbeln und einfachen Hilfsmitteln wie Decken und Kissen, ermöglichen es vielen, die vorgeschlagenen Haltungen zu Hause einnehmen zu können.



Ein Blick in das Übungsprogramm

Das Programm beginnt mit gestützten Yoga-Haltungen, die die Lungen entlasten und setzt sich fort mit Haltungen, die das Immunsystem stärken. Am Ende der Übungspraxis steht eine Auswahl von Entspannungspositionen. Da sich jeder Mensch individuell von einer Krankheit erholt, wird betont, dass nicht alle vorgeschlagenen Haltungen gleich für den Anfang geeignet sind. Das Programm ermöglich es, weitere Haltungen aus der Sequenz nach und nach hinzuzufügen, sobald die eigene Energie wieder zurückkehrt.



Ein Weg zurück zur Gesundheit


Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihre Sequenz nicht umfassend oder erschöpfend gesehen werden kann, da, was COVID19 angeht, vieles noch nicht untersucht oder erforscht ist und jeden Tag neue Erkenntnisse durch die therapeutische Yoga-Arbeit mit Infizierten entstehen.


I. Unterstützte Asanas im Liegen auf dem Bauch

Es gibt viele Yogahaltungen, in denen der vordere Rumpf vollständig gestützt wird, d.h. Bauch, Brust und Kopf auf einer Fläche aufliegen, zum Beispiel auf einem Bett, auf dem Boden oder auf einer anderen geeigneten Unterlage, mit dem Gesicht nach unten.

Adho Mukha Virasana - Kinderhaltung mit Variationen. Fotos: Claudiyengar 2020.


Die Stützung des vorderen Rumpfes ermöglicht es, die rückseitige Körperseite zu weiten und zu längen und das Zwerchfell zu entspannen. Dadurch entsteht mehr Platz für eine effizientere Arbeit der Lungen, die auf der Rückseite ein dichtes Netz von Luftsäcken (Alveolen) aufweisen. So führt die Bauchlage zu einer verbesserten Aufnahme von Sauerstoff ins Blut. Das Schaffen von Weite im Rumpf entspannt nicht nur das Zwerchfell, auch der Vagusnerv ist weniger eingeengt, was wiederum einen erleichterten Fluss des parasympathischen Nervensystems ermöglicht. Dies beruhigt sowohl die Emotionen als auch den physischen Körper. Das Herz und der Darm werden ruhiger, wodurch Angst und Furcht abgebaut werden.


II. Unterstützte Stehhaltungen und ihre Wirkung

Die Füße und Beine sind das Fundament des Körpers. Stehende Asanas haben im Allgemeinen eine stärkende Wirkung und entwickeln Ausdauer, Kraft und Flexibilität. Das unterstützte Stehen kann körperlich und geistig energetisieren und dadurch die Stimmung heben. Die im Übungsprogramm vorgestellten Stehhaltungen sind gleichzeitig auch vorwärts gerichtete Asanas, die die Blutzufuhr zum Gehirn erhöhen, Müdigkeit und Erschöpfung beseitigen und helfen, Depressionen zu reduzieren. Sie beruhigen das Gehirn, entlasten das Herz, erleichtern die Atmung und lindern die Atemnot.

Prasarita Padotanasana, Uttanasana und Adho Mukha Svananasana unterstützt. Fotos: Claudiyengar 2020.



III. Unterstützte Haltungen im Sitzen

„Aufsetzen", nicht "Hinsetzen" ist hier das Gebot der Stunde. Die hier dargestellten Beinpositionen dienen der Wirbelsäule als stabile Grundlage, um sich aufzurichten. Diese Asanas bringen Gelassenheit in den Körper, so dass die Arbeit mit dem Atem sicher ausgeführt werden kann. Die Autorinnen und Autoren des Programms geben an, dass gerade diese "L-förmigen" Sitz-Asanas für manche Menschen der wichtigste Teil der Genesungspraxis sein können. Ich empfand sie als sehr angenehm und entlastend.

Sitzen in unterstütztem Baddha Konasana. Fotos: Claudiyengar 2020.


Sie werden nacheinander ausgeführt und dann mit den verschiedenen Beinpositionen wiederholt. Gerade bei großer Erschöpfung, kann hier viel Zeit damit verbracht werden an der Öffnung des vorderen, hinteren und seitlichen Brustkorbs zu arbeiten, ohne allzu großem Energieaufwand. Diese Asanagruppe bringt vor allem eine bessere Durchblutung im Beckenbereich und der unteren Wirbelsäule. Durch das Zurücklehnen und Vorwärtsbewegen wird die Brustregion für eine bessere Atemkontrolle gedehnt und geweitet.


Unterstützter Schneidersitz und unterstützter Lotussitz/ Padmasana. Fotos: Claudiyengar 2020.



Upavista Konasana - unterstützt mit Polster und Decken. Fotos: Claudiyengar 2020.

IV. Unterstützte Haltungen auf dem Rücken liegend

In Rückenlage zu sein bedeutet, mit dem Gesicht nach oben auf dem Rücken zu liegen, oft mit einer Stütze für die Brustregion und den Kopf. Stützen können Kissen, Bänke, Stühle, Decken oder alles sein, das es ermöglicht, den Brustkorb anzuheben und zu dehnen, den Bauch zurückzuziehen und weicher zu machen und den Kopf ruhen zu lassen. Die Autorinnen und Autoren des Programms machen jedoch darauf aufmerksam, dass bei einigen Menschen im Erholungsprozess diese Art des Liegens zu einer übermäßigen Belastung des Brustkorbs und der Lungen führen könne. Sollte sich beispielsweise um die Rippen herum Wärme- oder ein unangenehmes Gefühl von Enge auftreten, sollte man diese Sorte von Asanas auf gar keinen Fall weiterüben. Eine harte Stütze unter dem Brustkorb wird nicht empfohlen, eher sollte es eine weiche, feste Stütze bei Lungenproblemen sein. Wenn man in diesen gestützten Haltungen einige Zeit bleiben kann, wirken sie erholsam, da der Körper hier beginnt, Spannungen loszulassen.

Suppta Baddha Konasana, mit zwei gedrittelten Decken entlang der Wirbelsäule, u.a. Fotos: Claudiyengar 2020.

Mich erreichten viele Fragen von Kolleginnen und Kollegen, Yoga-Schülerinnen und Schülern bezüglich Yoga üben mit COVID19. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Virus und einer langjährigen, täglichen Yoga-Übungspraxis folgenden generellen Rat weitergeben:

  1. Was sind eure Symptome? -Lasst euch von ihnen leiten. Bei Fieber z.B. ausschließlich: Bettruhe.

  2. Welche Bereiche eures Körpers sind betroffen? -Wählt Yoga-Haltungen, die diese Bereiche ansprechen bzw. dort Erleichterung schaffen.

  3. Lasst euch Zeit und ermüdet euch nicht. Habt Geduld und beobachtet, was Euch guttut und am besten funktioniert.



Weitere Bilder zu regenerativen Yoga Haltungen, die mir in den letzten drei Wochen gut getan haben auf meinem Instagram Kanal >>


Weitere Informationen zum COVID19-Recovery Yoga Program der britischen Iyengar Yoga Association >>




Claudia Lamas Cornejo ist eine unabhängige PR-Managerin und Journalistin, Iyengar-Yoga-Praktizierende und -Lehrerin. Der Iyengar-Yoga-Blog hat zum Ziel, verschiedene Themen rund um das Studium und die Praxis des Yoga zu beleuchten und verschiedene Stimmen aus der Iyengar-Yoga-Gemeinschaft zu Wort kommen zu lassen.



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